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Streiten in Ottensen
Ein streitbares Viertel! nennt Hamburgs Stadtentwicklungssenator Ottensen im Altonaer Wochenblatt.
Ach ja, denkt die Hinzugezogene, das mag mal so gewesen sein, früher! Seit den 60er Jahren krempelte sich das Industriedorf Stück für Stück um. Die alten Gewerbebetriebe verschwanden und mit ihnen die Arbeitsplätze. Das Vakuum füllten neue Bewohner/innen: Mit ihren Vorstellungen von Leben und Zusammenarbeiten machten sie Ottensen zum Wilden Westen Hamburgs! Die Fabrik entstand, die Motte, zahlreiche Kneipen und Treffpunkte. Derart bunt wiederbelebt, wuchs das Interesse staatlicher und privater Investoren am Quartier. Ihre Pläne: Sanierung der Altbauwohnungen für zahlungskräftige Mieter/innen, Umnutzung der alten Fabrikanlagen für trendige und finanzstarke Projekte und "Aufwertung" zur Freude aller kommenden Investoren. Und wieder stritten die Ottenser/innen! Die heftigsten Konflikte tobten um das Mercado und die Nutzung der Zeisehallen - aber auch "kleinere" Veränderungen wie die Verlegung der Bücherhalle erregten die Gemüter.
Und heute, sinniert die Hinzugezogene, was ist los im Ottensen 1999?
Heute gilt Ottensen als schickes, als buntes, als aufstrebendes Viertel. Ein Image, das einer großen Finanzzeitschrift sogar den Titel "Standort mit Zukunft" wert war. Viele der "alten" Engagierten sind zu Profis in ihren Feldern geworden und bestellen ihre Themen. Die verschiedensten Menschen, die heute in Ottensen leben, scheinen sich zu vertragen. Cafés und Kneipen schießen wie Pilze aus dem Boden, das Nachtleben pulsiert. Neue Projekte wie das Ökozentrum in der Gaußstraße, das Kulturzentrum im ehemaligen DB-Bahnhof oder das Restaurant für Arm und Reich "Zum Kleinen Zinken" werden, scheint es, hinter den Kulissen abgedibbert. Wer will, kann sich in der Friedensinitiative Ottensen gegen den Krieg engagieren. Wer sich an der Zukunft des Osterkirchenviertels beteiligen will, entscheidet mit über 40.000 Mark aus der Stadtentwicklungsbehörde. Und wer gestreßte Bäume pflegt, erhält den DANKE-Umweltpreis. Das "Modell Ottensen" scheint zu funktionieren.
Wer nicht fragt, bleibt dumm, beschließt die Hinzugezogene.
Und geht gucken, welche Geschichten die Ottenser/innen heute schreiben:
Echolot.
Informationen und Geschichten aus den (Un-)Tiefen Ottensens.
Andrea Herda, Thomas Schulze
30. Mai 1999
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