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Grün in OttensenApfelbaum braucht Wurzelraum! Bürgerinitiative für den Erhalt der Altonaer KleingärtenDie Kleingärten zwischen Behringstraße, Othmarscher Kirchenweg und Bernadottestraße sind eine grüne Oase, die seit 85 Jahren blüht. Sie ist bedroht, diese Oase: bedroht durch den geplanten Lärmschutzdeckel über der Autobahn zwischen Elbtunnel und Volkspark. Denn zur Finanzierung des Deckels sollen u.a. 500 Parzellen als Bauland verkauft und die Gärten auf den Autobahndeckel verlagert werden. Die Hinzugezogene schaut beim "Tag des Gartens" in der Laubenkolonie vorbei."Schauen Sie gerne herein!" laden an diesem sonnigen 13. Juni Schilder an den Zäunen ein. "Und revidieren Sie Ihre Vorurteile über Kleingärtner!" möchte man ergänzen. Gewachsene Natur, liebevoll gepflegt: Zwischen alten Obstbäumen, leuchtenden Staudenrabatten und englischem Rasen, Gemüsebeeten und Ökogärten tollen Kinder herum, sitzen die Menschen an Kaffeetafeln, wird gegärtnert und an den Lauben gewerkelt. In den Gartenteichen quaken Frösche und in den Hecken nisten Vögel. Nachbarschaftlich gehen die Menschen miteinander um. Zu den vielen Älteren, die ihren Garten bereits in den fünfziger oder sechziger Jahren bekommen haben und wie die Bäume verwurzelt sind in der Laubenkolonie, gesellten sich über die Vergabepolitik in den letzten Jahren Familien oder Alleinerziehende mit Kindern. "Wir repräsentieren die Bewohnerschaft Ottensens", sagt Frau K., die in ihren Garten eingeheiratet hat und ihn in der dritten Generation genießt. "Auch die Seniorinnen und Senioren aus dem Altenheim nebenan und die Menschen aus Altona und Ottensen machen hierher Ausflüge und finden Ruhe und Erholung."
Über 60 Prozent der Kleingärtner/innen wohnen in einer Entfernung von 1,5 km rund um den Garten, wohnen in Ottensen oder Altona. "Ottensen", sagt Frau K., "hat laute Straßen, aber nur wenig Grün. Die Parks an der Elbe sind am Wochenende viel zu voll - und sonst gibt es ja nur noch den Fischers Park. Für uns ist dies ein Stück grünes Zuhause".
Die Hinzugezogene fragt nach: Was hat es auf sich mit der Verlagerung der Gärten auf den Autobahndeckel?Den geplanten Deckel erstritt die Initiative "Ohne Dach ist Krach" in langen Auseinandersetzungen mit der Baubehörde. Nicht beteiligt waren die Kleingärtner/innen - dabei gehen die Pläne auf ihre Kosten. 500 Parzellen stehen auf attraktivem Bauland, nach dem die Investoren sich die Finger lecken. Rechtlich gesehen ist das Gebiet zwar lt. Flächennutzungsplan und Landschaftsprogramm von 1997 als Kleingartenkolonie gesichert. Doch voraussichtlich noch vor der Sommerpause 1999 entscheidet der Senat über das Konzept für einen Investorenwettbewerb bezüglich des Autobahndeckels: Das wäre der Anfang vom Ende der Laubenkolonie. Für die Pächter/innen - 500 Menschen plus jeweils ein bis drei Angehörige, also um die 1.500 Ottenser/innen und Altonaer/innen - wäre das nicht nur ein großer ideeller Verlust. Auch finanzielle Belastungen sind absehbar, denn die Kleingärtner/innen würden lediglich über einen Zeitwert entschädigt. Für viele geht dieser Wert gegen Null, weil ihre Lauben bereits abgeschrieben sind. Geld für neue Lauben, neue Pflanzen, etc. haben nur die "besser Betuchten". Und, nicht zuletzt, gibt es erhebliche Bedenken, ob auf einem Autobahndeckel ohne Verbindung zum Grundwasser grünes Leben noch möglich ist.
"Apfelbaum braucht Wurzelraum, das ist der Name unserer Bürgerinitiative", erklärt Frau K.. "Wir sind nicht gegen den Deckel und damit den Lärmschutz über der Autobahn. Aber es wird einfach nicht mehr über alternative Finanzierungsmöglichkeiten nachgedacht", empört sie sich. "Es gäbe andere Lösungen als den Verkauf der Gärten. Mit denen aber stoßen wir bei den Politiker/innen auf taube Ohren. Jetzt hilft nur noch Druck von unten für eine öffentliche Anhörung aller Betroffenen."
Die Hinzugezogene gibt ihre Unterschrift.
Andrea Herda 15. Juni 1999 |
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