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Wie schmeckt Veränderung?Vom 18.12.1999 bis zum 30.1.2000 beleuchteten wir, Olaf und Andrea, in mindestens 20 mails unseren kleinen Stadtteil. Wir fanden Licht und Schatten, wagten objekte wie subjektive Blicke, sprachen von Herzensangelegenheiten und Stadtentwicklunsprozessen. Wir begannen mit dem Café Vollrath und endeten mit den möglichen Umbau des Altonaer Bahnhofs – und das alles ungeplant. Ob Euch das interessiert? Ob wir diesen Versuch wiederholen werden? Ob Ihr Euch angeregt fühlt, selbst, so oder anders, Geschichte und Geschichten über Ottensen zu schreiben? Echolotet doch mal... Andrea H. wohnt und lebt seit 3 Jahren in Ottensen. Sie beschäftigt sich beruflich u.a. mit dem Dialog über und in Stadtteilentwicklung. Der Plüsch ist weg: Aus dem ehemaligen Café Vollrath, Treffpunkt aller älteren Damen und Herren des Viertels und Lieblingsplatz auch der jüngeren Schwarzwälder-Kirsch-Anhänger/innen, wurde die "Sweet Art Bakery". Ich finde das traurig! Verkommt Ottensen jetzt doch langsam aber sicher zum trendy-Hip(p)-Dreißiger-abwärts-Quartier???
War das Quartier je frei von Veränderungen, war es je frei von dem Bedauern derjenigen, die immer gerade den jeweils vorherigen Zustand schätzen gelernt hatten ? Das Ottensen der End-90er Jahre hat mit dem der frühen 70er noch manche Äußerlichkeit gemeinsam - aber die Bewohnerschaft ist binnen einer Generation zu zwei Dritteln ausgetauscht worden.
Stimmt. 2/3 der Torten sind weg, aber 1/3 (Nuß, Schwarzwälder und irgendwas mit Buttercreme) ist noch da! Hab extra heute noch mal recherchiert. :)
Buttercreme klingt verlockend, so wie mein Kindheitstraum(a) Frankfurter Kranz mit diesen kleinen, bunten, harten Zuckerostereiern drauf (aber das meiste, was Spaß macht, macht entweder dick oder ist verboten). Obsessionen wären jedoch ein eigenes Thema, obwohl auch mit O ...
Ich gebe zu: Ich wollte Dich provozieren. Und natürlich weiß ich um das Sammelsurium privater Interessen und um die Schwierigkeiten des Konsens. Auch ich finde es müßig, gegen Veränderungen zu wettern und alten Heimatbildern nachzuhängen. Und doch - und darum geht es mir - nehme ich für mich in Anspruch, um einen Teil meiner privaten Geschichte in Ottensen - nämlich das Café Vollrath, wie es war - zu "trauern".
Mach' ich - wenn Du, für den Anfang, mit plakativen "Überschriften" zufriedenzustellen bist.
Uns unterscheiden also knapp 20 Jahren an Ottensen-Erfahrung!!! Ich wohn' erst seit drei Jahren hier und es war und ist immer immer schön, immer immer Licht. Viel schöner als in den sechs Jahren Schanze davor. Eins der schönsten Dinge finde ich, dass ich einfach ins Marysol gehen kann und fragen: War meine Freundin schon da? Ja, ja, geliebtes Ottensen-Dorf!! Doch weiter im Text: Wie denkste Ottensen, wenn Du an Ottensen in der Zukunft denkst? Wünsche, Pläne, Ziele, Erhaltenswertes, Wunder? Na?
Zukunft denken (siehe auch "Glaskugel") ist hartes Brot - weil ich zwar bestimmte Kurzzeitvorstellungen davon habe, wie es werden, was bleiben, was sich ändern soll, andererseits aber so meine Zweifel habe, ob es nur positiv wäre, wenn sich ein Stadtteil ausschließlich nach dem Plan in meiner (oder jedermenschs anderer) Denk-Retorte entwickeln würde.
Es gibt etwas, wo ich Ottensen nicht "denke", sondern "fühle": Der Ort, wo ich mich bewege und mich sicher fühle. Der Ort, an dem meine Freund/innen und Bekannte wohnen. Der Ort, der mir in schwierigen Zeiten Trost ist. Der Ort, der Krafttrunk ist für meine Pläne. Schlicht: Der Ort, an dem ich zu Hause bin. Und nicht zuletzt: Obwohl ich gerne in der Großstadt lebe und viel und gerne (auch beruflich) über die Stadt nachdenke, ist Ottensen ein Platz, an dem mich der Moloch nicht verschlingt.
Gegen wen glaubst Du, diesen Anspruch verteidigen zu müssen ? Gegen meine unbeantwortet gebliebene Frage, ob Du, wenn Du "Ottensen" sagst-denkst-schreibst-fühlst, alleine Dein persönliches Konglomerat aus Trost, Kraft und Heimat meinst oder auch diejenigen Aspekte des Stadtteils, die Dir eher stinken oder fremd sind ?
Alles merkwürdig... Bin immer noch beim Gesprächsverlauf - erst verteidigst du, dass Menschen aus persönlichen Motiven aus Ottensen wegziehen, dann ich, dass sie aus persönlichen Motiven hierbleiben. Hm... Natürlich gibt es auch Dinge, die mir nicht gefallen: die Schüsse in der Ottenser Hauptstraße im vorletzten Jahr, bei denen ein Mensch verletzt wurde, die "Hausmacht" der Motte, die total verwaisten Zeisehallen, die hohen Mieten in den besseren Wohnungen, dass vielleicht der Kaufhof schließen muß, die langen Schlangen auf dem Arbeitsamt und und und. Aber wenn ich es gründlich bedenke, dann ist "mein" Ottensen tatsächlich das beschriebene Konglomerat von persönlichen Gefühlen. Und ich tu noch eins drauf: Ich bin ein Kind vom Meer - und jetzt bin ich ein Kind der Elbe! :) Und noch eins: Samstag war ich im Kiosk gegenüber dem Marysol und bekam lecker Schokobonbons gescheckt - zur Feier des Ende des Ramadans. Es war eine sehr schöne Stimmung in dem Laden.
Verweigere ich eine Antwort auf Deine letzte Frage, wenn ich Dich auf obiges >M< verweise, wo sich schon einige Beispiele für persönliche Lichter&Schatten finden ?
Olaf! Ist das nicht ein schönes weil offenes "Schlußwort"? Paßt nicht vieles, was wir hier an objektiven Fakten und subjektivem Empfinden beleuchtet haben, auch zu den aktuellen turbulenten Ereignissen um den geplanten Megaumbau des Bahnhofs? Raum für Engagagement und Auseinandersetzung, Raum für Worte - in diesem Sinne danke ich dir für dieses Gespräch, sehr!
Requiem, die zweite. Ob beabsichtigt oder verschrieben - Dein Schlusswort enthält die ultimative, weil exakte Antwort auf die von uns angeschnittene Frage, was Ottensen ausmacht :
Noch freie Initiale: C F G H J K L N P Q T V X Y - bedient Euch!
6. Februar 2000
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